Netzwerken – wenn dabei sein alles ist

  • Das Netzwerken steckt in der Krise, konstatiert Harald Katzmair, Univ. Prof. und Netzwerkforscher, der an der Donau Uni Krems zum Thema Netzwerken unterrichtet. Gründe dafür sind schwindende Investitionsströme, die Globalisierung, Verantwortlichkeiten wandern außer Landes und die Compliance-Richtlinien machen es nicht einfacher.

    Aber es gibt sie noch, die wirkungsvollen Netzwerke mit den wichtigen Kontakten: Den sozialen Rotary Club, den katholischen, konservativen und der Vaterlandsliebe verpflichteten rein männlichen Cartellverband, den Bund der sozialistischen Akademiker oder die Geheimloge der Freimaurer, um nur einige zu nennen. Aber auch in weniger bekannten Netzwerken finden sich Menschen zusammen, um ihr Berufsleben nicht nur inhaltlich zu bereichern, sondern eben auch um die Karriere voranzubringen. So kann es sich auszahlen in Vereinen oder Sportclubs aktiv zu sein, nicht von ungefähr kommt der Satz „ die wichtigsten Verträge werden auf dem Golfplatz beschlossen“. Die gemeinsame (sportliche) Tätigkeit schafft nicht nur Kontakte sondern verbindet. Zuerst müssen Sie sich die Frage stellen, ob Sie das Netzwerk beruflich oder für private Zwecke nutzen möchten. Mit einem Business-Netzwerk können Sie Ihre Karriere vorantreiben, einen Job finden, sich fachlich austauschen und Kontakte pflegen.

Was braucht ein erfolgreiches Netzwerk überhaupt?

  • Ein Netzwerk müsse hinter einem gewissen Anliegen stehen, meint Katzmair und die Treffen müssen regelmäßig stattfinden. Komplementarität sei entscheidend für das Gelingen - je diverser die Mitglieder sind, desto besser für den Austausch.

Wie kommt man hinein?

  • Politische Parteien, Sportvereine, Clubs als Netzwerke bieten die Chance wertvolle Kontakte schon in jungen Jahren aufzubauen, die man später auch geschäftlich nutzen kann. Hat man dies verabsäumt, bietet sich oft später die Chance in der eigenen Branche sein Netzwerk zu entwickeln. Dafür macht es Sinn sich zu engagieren – sehr wichtig sind hier Branchenverbände. Wird man in den Vorstand gewählt, kann man durchaus relevante Businesskontakte etablieren. In manch großes Netzwerk, wie etwa die oben erwähnten, kann man nur von den Mitgliedern „eingeführt“ werden. Oft gibt es Aufnahmerituale und eine Etikette, die gewahrt werden muss.

    Ein Netzwerk wächst langsam und braucht viele gemeinsame Erlebnisse. Es geht um Beziehungsarbeit und Vertrauensaufbau und eventuell viel Mut und Energie einen eigenen Club zu gründen.

Hat Online Networking Zukunft?

  • Verändert hat sich das Interesse der jungen Internetnutzer. „Sie sind in der digitalen Welt zu Hause, aber dort zu egoistisch und entwickeln so keine Handlungs- und Strategiefähigkeiten“, so Katzmair. Die Jungen stellen die etablierten Institutionen in Frage und haben auch oft nicht die Zeit dafür. Beim Online-Networking geht es aber um mehr als nur um das Sammeln von Kontakten – es geht vor allem darum, diese wirksam einzusetzen. Die Plattformen Xing, Linkedin, Instragram, Google Plus, Facebook oder Youtube sollten für die Kontaktpflege und der neuen Kontaktaufnahme unbedingt gezielt genutzt werden. Die ältere Generation verliert an Boden. Neue Netzwerke entstehen, aber niemand weiß, wie sie in Zukunft aussehen werden.

Dos & Don’ts beim Online-Netzwerken

    • Als Unternehmer – seien Sie auf Linkedin und Xing präsent, nutzen Sie auf Facebook unbedingt eine Business-Seite und nicht ihr persönliches Profil.
    • Haben Sie einen Plan – welche Kontakte könnten relevant sein oder werden?
    • Ihr Online-Profil sollte der Realität entsprechen und authentisch sein, wenn es als Karrieretool genutzt wird: entwickeln Sie eine eigene Persönlichkeit, einen USP, zeigen Sie ihre Kompetenzen aber unterlassen Sie Übertreibungen.
    • Pflegen Sie ihre Kontakte: Nicht etwa spontan mit dem Netzwerken starten, wenn Sie gerade auf Jobsuche sind.
    • Jedes soziale Medium hat seine eigene Sprache.
    • Geben und nehmen: Bieten Sie Gegenleistungen, wenn Sie von jemandem profitieren.
    • Netzwerken ist nicht aggressives Selbstmarketing. Kontakten braucht Zeit und Vertrauensaufbau – nicht nur online.
    • Seien Sie auch in der realen Welt zu Hause. Gehen Sie auf Events, Firmenabendessen oder treffen Sie sich zu zweit zum Mittagessen und zwanglosen Kaffeetratsch.
    • Geben Sie dem Vertrauensaufbau mit Menschen Zeit – aber starten Sie noch heute!